Neue Reussquerung Nordpol Luzern
Projektwettbewerb im selektiven Verfahren 2025
Bauherrschaft: Stadt Luzern
Brückenbauer: Schleich Bergemann Partner Stuttgart
Planung und Management: Emch+Berger WSB AG
Vom urbanen Gebiet der Luzerner Altstadt bis zur naturnahen Reussebene durchläuft die
Reuss eine Abfolge unterschiedlicher Landschaftsräume. Im Bereich der Fluhmühle wird sie durch natürliche Hügelfronten und massive Infrastrukturbauten eingeengt, bevor sich das Flussbett im von Ufervegetation und weiten Kiesbänken geprägten Reusszopf wieder öffnet und schliesslich in die Reussebene übergeht. Um den Reusszopf weiterhin als zusammenhängenden und idyllischen Landschaftsraum zu erleben, wird für die neue Brücke die Lage der Alten Fähre gewählt.
Der Reusszopf hat im vergangenen Jahrhundert markante Veränderungen erlebt. Bis 2010 wurde der nördliche Teil als Sandgrube genutzt, welcher anschliessend ökologisch aufgewertet wurde. Im Süden begann bereits 1976 die Freizeitnutzung mit einem Fussballfeld und einem Park. In dieser Zeit entstand auch der Name «Xylofonweg»: Ursprünglich als Abwasserkanal gebaut, wurde der Weg entlang der Reuss als Verbindung zwischen Reussbühl und Luzern genutzt und erzeugte Xylofonartige Töne bei der Veloüberfahrt. Heute erfährt der Nordpol eine zunehmend urbane Nutzung. Die östliche, durch Wald geprägte Ibach-Seite ist weniger belebt, war früher aber sozialer Treffpunkt – etwa durch die Hofschanke Ibach in den 60er-Jahren. Eine Fähre verband damals beide Uferseiten.
Die neue Brücke knüpft an dieses Bild an: Sie verbindet beide Ufer zu einem gemeinsamen Ort. Ihre Lage im bereits bebautem Raum ermöglicht dies mit minimalem Eingriff in die Naturräume. Beide Uferbereiche bieten künftig naturnahe Zugänge zum Wasser und erzeugen ökologisch wertvolle Grünräume, die Biodiversität fördern und die natürliche Landschaft bereichern. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Charaktere und Morphologie – das Westufer als Prallhang und das Ostufer als Gleithang – unterscheiden sich ihre Gestaltung jedoch deutlich.
Die Anbindung an das Westufer veranlasst einen fliessenden Übergang vom Knotenpunkt am Xylofonweg zum naturnahen und frequentierten Flussraum. Die grosszügige Verbreiterung zur Promenade schafft Raum für ein reges, aber harmonisches Miteinander. So wandelt sich der Xylofonweg vom schlichten Zubringer zur Lebensader des Ortes.
Die Anbindung an das Ostufer veranlasst die Umgestaltung der kleinen bestehenden Terrasse zu einem grosszügigen Platz mit Aufenthaltsqualität und Option von saisonalem Gastronomieangebot. Künftig könnte gar das Erdgeschoss des angrenzenden, im Besitz der Stadt befindlichen Wohnhauses gewerblich als «Pop-Up Bar oder Biergarten» genutzt werden und so die Attraktivität und soziale Sicherheit des Ortes weiter steigern.